Du kennst es: Der Sprint (oder der Monat, das Quartal) ist vorbei. Im Kalender steht: Retro. Und du denkst dir leise: „Schon wieder?“ 😖
Eigentlich soll hier Raum sein für Innehalten, Feedback, Lernen. In der Realität fühlt es sich oft eher nach Pflichttermin an. Yet another remote call. Du machst die Kamera aus.
Irgendwann verlieren Retrospektiven ihre Wirkung. Und damit auch ihre Berechtigung – zumindest gefühlt.
Warum steigen Teams innerlich aus Retros aus?
Wirkungslose Retros
Gleiche Themen. Gleiche Worte. Keine Veränderung. Wenn das Feedback aus den Retros nicht umgesetzt wird, resigniert das Team und schiebt Frust.
Fehlende psychologische Sicherheit
Wenn du nicht offen sagen kannst, was wirklich los ist – warum solltest du es dann versuchen? Ohne eine vertrauensvolle Basis kommen die echten Probleme in der Retro nicht auf den Tisch.
Ausgrenzung
„Meine Meinung wird sowieso nicht gehört.“
Du gibst Feedback, aber niemand greift es auf. Ihr diskutiert lieber die Themen der anderen. Wenn diese Situation wiederholt auftritt, fühlst du dich nicht gesehen und bleibst in der Folge lieber still.
„Wir haben keine Themen.“
Schon oft gehört, aber selten wahr. 😉 Retros können auch in guten Phasen hilfreich sein. Und sie sind dazu da, allen Personen im Team Raum zu geben - nicht nur der lautesten Person, die den obigen Satz gesagt hat.
Und dann?
Kurzfristig fühlt es sich vielleicht leichter an, die Retros einfach abzuschaffen, aber langfristig beginnt so die Abwärtsspirale. Probleme und Verbesserungspotenziale verschwinden nicht – ihr sprecht nur nicht mehr darüber. Eure Konfliktfähigkeit sinkt. Statt gemeinsamer Lösungsfindung entsteht mehr Flurfunk. Auch Positives bleibt unsichtbar. Ohne Retro werden Meilensteine und tolle Erfolge häufig nicht bewusst gefeiert oder verstärkt.
All das führt zu großer Frustration und Resignation im Team. Ihr steckt fest.
Wie kommt man da wieder raus?
Klingt paradox, ist aber wirksam:
Macht eine Retro über eure Retros. Fragt euch gemeinsam: Warum fühlt sich das hier gerade so zäh an? Und dann bitte ehrlich. Nicht „wir könnten vielleicht mal…“, sondern wirklich:
Seid inklusiv. Alle kommen zu Wort. Alle Meinungen zählen. Und werden respektiert.
Seid verbindlich bei Action Items. Benennt klare Verantwortliche und klare Due Dates. Und ja: Zeigt in der nächsten Retro, was daraus geworden ist.
Redet auch über eure Wow-Momente. 🥳 Nicht als Alibi, sondern weil Teams davon mehr brauchen, als sie denken.
Baut bewusst psychologische Sicherheit auf. Das ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Und wenn ihr merkt, dass ihr allein nicht weiterkommt, holt euch externe Unterstützung. Ein Blick von außen kann erstaunlich entlastend sein.
Retrospektiven sind kein Selbstzweck. Sie sind auch kein notwendiges Übel. Sie können ein ziemlich guter Ort sein, um gemeinsam besser zu werden – wenn ihr sie so gestaltet, dass Menschen sich dort wirklich zeigen dürfen.
Wenn niemand mehr Retros machen will, ist das kein Versagen. Vielleicht ist es einfach eine Einladung, etwas anders zu machen.