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Gutes Offboarding

7. Januar 2026

Ein Schreibtisch, auf dem noch ein paar Papiere herumliegen. Auf dem Tisch steht ein Umzugskarton mit Büchern und anderen Dingen.

Im Guten gehen - wie sieht das eigentlich aus? Die meisten von uns waren schon einmal in der Situation: sie haben den Schritt gewagt und ihren aktuellen Job gekündigt. Damit beginnt die Phase des Offboardings - des Abschiednehmens, der Übergaben und Übergänge. Und doch scheitert Offboarding erstaunlich oft an den Basics. Prozesse sind definiert, Checklisten abgearbeitet – aber das Gefühl am Ende passt nicht. Vielleicht, weil wir zu selten darüber sprechen, was gutes Offboarding eigentlich bedeutet. Nicht nur aus Prozesssicht, sondern aus menschlicher Perspektive. Denn genau in dieser Phase entscheidet sich, wie ein Arbeitsverhältnis in Erinnerung bleibt. Nicht die letzten Projekte – sondern der letzte Eindruck. Und dieser landet später nicht selten auf Plattformen wie Kununu.

Also: Was bedeutet eigentlich gutes Offboarding aus Mitarbeiter:innen-Sicht? Und was aus Arbeitgeber:innen-Perspektive?

Spoiler: Eigentlich wollen beide Seiten dasselbe: Wertschätzung, Klarheit und einen sauberen Abschluss. Warum gelingt uns das also so selten?

Tortendiagramm, das einen kleinen lila Anteil zeigt, einen etwas größeren blauen Anteil und einen riesigen grünen Anteil. Als Legende steht dann bei lila: Teammitglieder, die von Restrukturierungen genervt sind. Bei blau steht: Frustrierte ehemalige Teammitglieder, die ein furchtbares Offboarding hatten. Und bei grünen Anteil steht: Teammitglieder, die vom People Team freundlich erinnert wurden, doch mal eine positive Bewertung bei Kununu zu schreiben, damit das Recruiting besser funktioniert und die Außenwirkung stimmt.

Was du dir für dein Offboarding wünschst

  • gute Übergabe deiner Themen, die du bis dahin mit Herzblut verantwortet hast

  • letzte schöne Momente mit den liebsten Kolleg:innen

  • Wertschätzung für deine Zeit und deinen Beitrag

  • Klarheit darüber, was als nächstes passiert

Was dein:e Arbeitgeber:in sich für dein Offboarding wünscht

  • eine saubere Übergabe, damit Wissen im Unternehmen bleibt

  • dass du das Unternehmen trotz Kündigung weiterempfiehlst

  • aus der Kündigung zu lernen:
    Was hat zu deiner Entscheidung beigetragen, was sollte sich ändern?

  • dass keine Unsicherheit beim verbleibenden Team entsteht

Was in der Realität oft passiert

  • Ab der Kündigung bist du plötzlich „illoyal“.

    Arbeit, die zuvor nie kritisiert wurde, gilt nun als wertlos.

    Das neue Narrativ: Gut, dass du gehst.

  • Über die Kündigung wird lange geschwiegen – aus Angst vor Unruhe.

    Der Flurfunk ist schneller als jede offizielle Kommunikation.

  • Es gibt keine Klarheit:

    Wer übernimmt was? Bis wann? Welche Aufgaben hast du noch – welche nicht mehr?

  • Kolleg:innen halten Abstand.

    Ehrliche Gespräche werden vermieden, die Frage nach deinem nächsten Schritt ist tabu.

  • Deine anfängliche Motivation für einen guten Abschluss weicht Frustration –

    und innerem Rückzug.

Was stattdessen helfen würde

Ganz allgemein gesprochen: steht das Offboarding gemeinsam durch. Es mag schmerzen, aber es wird sich lohnen. Bedenkt dabei vor allem diese drei Punkte:

Gemeinsame Offboarding-Planung

Kommt nach dem ersten Schreck des Kündigungsgesprächs noch einmal bewusst zusammen. Was braucht ihr beide für ein gutes Offboarding? Klärt offen: schnelle Kommunikation ins Team – oder erst eine gesicherte Nachfolgeregelung? So lange wie möglich normal weiterarbeiten - oder lieber schnell die Verantwortlichkeiten abgeben? Wie sieht es mit dem Weihnachtsgeld aus? Ehrlichkeit und Wertschätzung vermeiden Missverständnisse. Und wenn ihr als Arbeitgeber:in verletzt seid, sprecht es aus. Verletzlichkeit schafft Verbindung – Schweigen schafft Distanz.

Erstellt gemeinsam einen klaren Plan:

  • wann ist der letzte Arbeitstag

  • wann und wie erfolgt die Kommunikation (Team, Kund:innen)

  • Übergaben - bis wann und an wen

  • Zugänge & Verantwortlichkeiten

Je klarer, desto fairer – für beide Seiten.

Kündigungen nicht persönlich nehmen

Kündigungen werden manchmal als persönliche Zurückweisung aufgefasst. Deine Kolleg:innen oder dein:e Arbeitgeber:in ziehen sich zurück und meiden dich. Diese Verletzung ist eine der häufigsten Ursachen für schlechtes Offboarding.

Auch, wenn es in der Vergangenheit Konflikte gab, gilt dennoch:

  • Offboarding braucht Professionalität. Das gemeinsame Credo kann lauten: Vielleicht waren wir nicht immer einer Meinung, aber wir würdigen dennoch, was wir einzeln und gemeinsam geleistet haben.

  • Ein gutes Offboarding zeigt dem verbleibenden Team: Hier wird respektvoll miteinander umgegangen – auch beim Abschied.

Exit-Gespräch als echte Retrospektive

Gegen Ende der Zusammenarbeit gehört ehrliches Feedback dazu. Du kennst das Unternehmen mit all seinen Stärken und Schwächen und hast viele Impulse, die du deinem Unternehmen mitgeben kannst. Bei zugewandter Gesprächsführung entstehen hier echte Lernchancen - und das fühlt sich für beide Seiten gut an: Dein:e Arbeitgeber:in nimmt sich die Zeit, deine Perspektive zu verstehen, und du machst dir die Mühe, deine Gedanken wertschätzend mitzuteilen.

Gutes Offboarding ist kein Extra.

Offboarding schreibt die Kununu-Bewertung – lange bevor sie veröffentlicht wird.

Wenn ihr also gerade - als Arbeitgeber:in oder Mitarbeiter:in - in einem gekündigten Arbeitsverhältnis steckt, hinterfragt doch nochmal eure Herangehensweise. Seid ihr respektvoll miteinander? Gibt es Klarheit über die verbleibende Zeit? Hat sich eure Haltung zueinander seit Kündigung verändert?
Hinterfragt euch und sucht das Gespräch. Fangt jetzt an, eure Offboarding-Kultur zu verbessern - sie kann der erste Baustein einer vertrauensvolleren Arbeitsumgebung sein.

Portrait von Caro.

Geschrieben von Caro

Co-Founder

Caro ist Mitbegründerin von glæd.works und leidenschaftliche Verfechterin von wertebasierter Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Sie ist überzeugt davon, dass die Arbeit der Zukunft dort entsteht, wo Vertrauen, Eigenverantwortung und echte Mitgestaltung gelebt werden.

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