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Im Grunde gut (Teil 1)

15. November 2025

Strichmännchen schenkt einer Grummel-Wolke einen Herz-Ballon.

Jede - wirklich ausnahmslos jede - Person tut ihr Bestes. Diese Grundeinstellung versuche ich mir seit einigen Monaten zu erarbeiten.

Warum? Wenn wir immer vom Schlechtesten bei unseren Mitmenschen ausgehen, lenken wir unseren Fokus auf Handlungen und Details, die unsere Annahme bestätigen. Das nennt man ‘confirmation bias’. Wir wollen mit unserer Grundthese Recht behalten und sind daher voreingenommen.
Ich möchte diesen Bias aber viel lieber nutzen, um das Gute in Personen zu bemerken. Um Positivität zu erzeugen - für mich und andere.

Wenn im Supermarkt jemand unfreundlich zu mir ist, weil ich im Weg stehe, hab ich die Wahl: ich kann mich angegriffen fühlen und etwas Unfreundliches erwidern oder ich kann mich freundlich entschuldigen und gutmütig anerkennen, dass ich dieser Person tatsächlich im Weg stand. Dann endet die Unfreundlichkeit bei mir und wir beide gehen besser aus der Situation.

Ich kann mein Kind gutmütig fragen, ob es gerade hungrig ist oder einen langen Tag hatte, anstelle es zurechtzuweisen, weil es gerade quengelig ist.

Wie hat das nun in den letzten Monaten für mich funktioniert? Ich muss gestehen: mal so, mal so.

Zunächst einmal brauchte ich für die pauschale Unterstellung von positiven Intentionen ein wenig Übung. Dazu hab ich mich mit lieben Menschen über unterschiedliche Perspektiven derselben Situation ausgetauscht. Situation um Situation. Und irgendwann kam dann eine innere Überzeugung dazu, dass eine gutmütige Reaktion auf kritische Momente viel hilfreicher ist. Angefangene Konflikte werden wieder eingefangen, Feedback bleibt konstruktiv, alle Parteien bleiben füreinander ansprechbar. Es funktioniert also wirklich und: es fühlt sich richtig gut an.

Es gibt aber auch Situationen, in denen ich an meine Grenzen stoße: Wenn Personen im Gespräch destruktiv sind, mich beschimpfen oder gaslighten. Dann kann ich zwar annehmen, dass es der Person aus individuellen Gründen nicht möglich ist, konstruktiv zu reagieren - diese Gedanken helfen aber nicht, den Konflikt zu deeskalieren. Hier ist es dann sinnvoller, Grenzen zu setzen und bei Nicht-Einhaltung Abstand zu dieser Person zu gewinnen. Ich will zwar vom Guten ausgehen, allerdings nicht bis zur Selbstaufgabe.

Zum Glück sind diese Fälle aber Ausnahmen. Menschen sind gut, wir wollen uns grundsätzlich nicht streiten. Vielmehr haben wir doch alle das Bedürfnis nach einer freundlichen Gemeinschaft, die gutmütig mit Fehlern umgeht und in der wir wir sein können.

Und vielleicht rudert die Person im Supermarkt nach meiner freundlichen Entschuldigung sogar zurück und erkennt, dass auch sie ihren Wunsch hätte freundlicher formulieren können. Diese Möglichkeit entsteht nur dann, wenn ich die Unfreundlichkeit meines Gegenübers nicht spiegele.

Oder anders gesagt: Wenn ich nicht vom Guten ausgehe, werde ich nie herausfinden, ob die Person es gut meint.

Portrait von Caro.

Geschrieben von Caro

Co-Founder

Caro ist Mitbegründerin von glæd.works und leidenschaftliche Verfechterin von wertebasierter Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Sie ist überzeugt davon, dass die Arbeit der Zukunft dort entsteht, wo Vertrauen, Eigenverantwortung und echte Mitgestaltung gelebt werden.

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