Zum Inhalt springen

Hybrid Work: Wir sind alle da irgendwie.

16. Juni 2026

Es ist Mittwochmorgen 9:05Uhr und ich sitze im Home Office und warte in einem leeren digitalen Meetingraum. Meine Teammitglieder sind an diesem Tag meist alle im Büro vor Ort und ich wähle mich von zu Hause in unser morgendliches Daily ein. Ich schreibe in den Chat, ob unser Termin stattfindet, checke den online Status meiner Kolleg:innen und fühle mich irgendwie außen vor. Habe ich etwas verpasst?
Schon zwei Minuten später kommt die erste Kollegin online, entschuldigt sich für die Verzögerung, es hat an der Kaffeemaschine länger gedauert und auch die anderen Teammitglieder kommen gut gelaunt und offensichtlich gerade noch Smalltalk haltend in den Termin. Wir starten und ich habe einen guten und produktiven Arbeitstag, an dem ich mit meinen Kolleg:innen digital in Austausch bin. Und doch war es ein kleiner Moment, in dem ich mich isoliert und nicht als Teil meines Teams gefühlt habe…

Home Office for the win

Ich persönlich denke, dass die Digitalisierung vieler Arbeitsprozesse ein großer Zugewinn für Teams ist und kann mir einen Arbeitsalltag ohne Flexibilität und Selbstbestimmung bezüglich meines Arbeitsortes nicht mehr vorstellen. Logistische Herausforderungen und die Vereinbarkeit mit meiner Elternrolle wären für mich ohne Home Office Option nur schwer lösbar. Außerdem fühle ich mich bei manchen Aufgabentypen in meinem Job produktiver, wenn ich mich zu Hause einigeln und fokussieren kann. Und doch fühlt es sich an, als ob wir einen kleinen Preis für diesen Gewinn zahlen, denn Kommunikation verändert sich, wenn ein Team an verschiedenen Orten verteilt ist.

Das Beste aus beiden Welten. Oder nicht?

Hybrid Work vereint das beste aus zwei Welten: Flexibilität für alle Teammitglieder und trotzdem ein gemeinsamer Raum, der verbindet. Ich freue mich immer auf beides. Diese Kombination hat aber oft auch Auswirkungen auf unsere Zusammenarbeit und vielleicht hast du auch schonmal eines dieser Phänomene beobachtet?


Man fühlt sich abgehängt Wer im Büro ist, bekommt mehr mit. Das wird auch aus meinem oben beschriebenen Beispiel deutlich. Wer remote arbeitet, bekommt das Ergebnis von Gesprächen, nicht die Gespräche selbst.

Man fragt sich, ob man jemanden gerade kontaktieren sollte Während des Meetings sehen wir uns über Videoübertragung. Doch danach bleibt erstmal nur ein grüner oder gelber Punkt bei Teams. Ich weiß nicht, ob meine Kollegin gerade im Flow ist, struggelt oder Wäsche wäscht. Im Büro sehe ich es entweder direkt ihrer Körpersprache an oder stelle die klassische „Hast du kurz 2 Minuten?“-Frage. Diese Art von Nähe passiert vor Ort automatisch, aber remote muss ich mich irgendwie überwinden, um sie herzustellen.

Abstimmungen sind immer wohl koordiniert (aber nicht fließend) Der Informationsfluss ist für mich im Home Office gesichert und alle meine Teammitglieder achten darauf, Entscheidungen in den Chat zu schreiben, Tickets gut zu dokumentieren und ALLE für geplante Absprache-Termine einzuladen. Doch manchmal lese ich die relevanten Informationen zeitversetzt und meine eventuellen Rückfragen kommen vollkommen außer Zusammenhang. Auch die zwischenmenschliche Komponente kann ich aus der schriftlichen Kommunikation nicht herauslesen: Wie ist die Stimmung bezüglich des Themas? Warum hat ein Kollege den Termin abgesagt? Wie gerne würde ich manchmal einmal kurz quer über den Schreibtisch gucken und mit einem Augenzwinkern fragen, ob wir aus dem lang angesetzten Meeting nicht auch kurz eine 5 Minuten Absprache beim Kaffee machen wollen? Aber remote verkneife ich mir das lieber, da kann ich mein Augenzwinkern nicht rüberbringen ;)

Solche Phänomene passieren vielleicht nicht oft und sicher nicht für alle und doch machen sie etwas mit dem Zugehörigkeitsgefühl. Belonging, das Gefühl dazuzugehören, braucht Wiederholung kleiner Dinge. Gemeinsam Mittagessen, Lachen über dieselbe Situation, die Geste, die „Ich sehe dich“ sagt. Remote-Arbeit macht genau diese Momente seltener. Was bleibt, sind bewusst geplante Formate, welche die Kommunikation fördern, aber das Ungeplante selten ersetzen können.

Was HR allein nicht lösen kann

Von Personal-Teams wird oft erwartet, Strukturen für funktionierende Teamarbeit zu schaffen. Allerdings schafft keine Home-Office-Policy der Welt Zugehörigkeit. Dafür braucht es etwas, das sich schwerer in Prozesse gießen lässt: echte Interaktion, Vertrauen, das über Zeit wächst, und die Bereitschaft, auch die Momente zwischen den offiziellen Terminen zu gestalten.

In den hybriden Teams, in denen ich bisher gearbeitet habe, hatte ich ganz unterschiedliche Arten mit den jeweiligen remote Teammitgliedern zu kommunizieren. Mit einem Kollegen nur über Memes, mit einer anderen Kollegin vereinbarte ich wöchentliche Kaffee-Dates ohne Arbeitsagenda. Und es gab auch durchaus Kolleg:innen mit denen nahezu gar keine Kommunikation stattgefunden hat. Positive Beziehungen musste ich aber auch erst aufbauen, mir Zeit dafür nehmen (und es nicht in den Alltagsaufgaben vergessen) und es proaktiv angehen. Ich weiß noch wie komisch ich mich gefühlt habe, bei einer sehr perplexen Reaktion meines damaligen Hamburger Kollegen, als ich ihn anrief und keinen Grund für meinen Anruf nannte außer „einfach mal zu schnacken und zu hören, was bei ihm gerade los sei“.

Doch dieser Beziehungsaufbau hat sich bisher immer gelohnt und zeigt mir, dass hybride Teams ihren individuellen Weg finden müssen, um miteinander in Verbindung zu bleiben und zugewandt miteinander zu kommunizieren. Dabei kann es helfen, genau diese Fähigkeiten gemeinsam weiterzuentwickeln, denn offene und konstruktive Kommunikation ist kein Talent, sondern etwas, das man lernen kann.

Und manchmal fängt das mit dem kleinsten Schritt an: jemanden einfach so zwischendurch zu fragen, wie es ihr oder ihm gerade wirklich geht.

Portrait von Svenja.

Geschrieben von Svenja

Strategie & Kommunikation

Svenja befasst sich im glæd.works Team vor allem mit dem Thema Kommunikation. Sie ist überzeugt davon, dass die offizielle Unternehmenskommunikation nach außen zwar wichtig ist, aber vor allem zwischenmenschliche und non-verbale Kommunikation in verschiedensten Kontexten ein wertvolles menschliches Miteinander ausmachen.

Zurück zur Übersicht
Jetzt buchen