Eigentlich wollte ich diesen Artikel nach drei Monaten schreiben, direkt zum Ende meiner Probezeit. Jetzt sind es sechs. Here we are.
Als ich mit Caro & Chris zusammen saß, um über eine mögliche Anstellung bei glæd.works zu sprechen, hatte ich durchaus viele Fragezeichen im Gesicht. Nur mit Menschen zusammenarbeiten, die ich alle noch von meinem vorherigen Arbeitgeber kenne? Der Arbeitsvertrag besteht lediglich aus einer Seite und es gibt „Team Rules“, die fester Bestandteil des Vertrags sind? Kann das klappen, oder falle ich genau da in die Muster zurück, aus denen ich gerade geflohen bin?
Ein Glück war der Zukunftsoptimismus und der Drang, es einfach zu machen, größer als die Angst.
Es steht und fällt mit den Menschen.
Das klingt wie eine Binsenweisheit. Ist es für mich aber nicht, denn ich nehme das im Alltag erstaunlich oft wahr. Ob ich morgens aufwache und mich auf den Tag freue, hat für mich wirklich rein gar nichts damit zu tun, ob es auf der Arbeit ein Teamfrühstück gibt oder nicht. Es geht darum, wie Menschen miteinander umgehen. Wie Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert. Auf Augenhöhe, ohne Spielchen.
In den letzten sechs Monaten haben wir uns im Team auf drei gemeinsame Werte geeinigt: Mut, Klarheit und Positivität. Stimmen die zu 100 % mit meinen ganz persönlichen Werten überein? Ehrlich gesagt: nöö. Aber darum geht's auch gar nicht. Es geht darum, dass wir als Team einen echten Konsens gefunden haben: Wie wir zusammenarbeiten wollen, was uns trägt und was uns leitet. Dafür haben wir jeden Wert in Alltagsbeispiele übersetzt. Mutig sein bedeutet für uns, nur um mal ein Beispiel zu nennen, Dinge anzusprechen, wenn was hakt oder nervt. Das ist meilenweit von Unternehmenswerten entfernt, die irgendwo auf einem Hochglanz-Poster stehen und im Arbeitsalltag niemanden mehr interessieren.
Vertrauen ist keine Naivität.
Okay, okay, ein bisschen naiv bin ich auf jeden Fall. Ein einseitiger Arbeitsvertrag klingt erstmal nach wenig. Für viele vielleicht nach zu wenig. Aber Vertrauen entsteht nicht durch seitenlange Regelwerke, es entsteht im Tun. In der Art, wie Entscheidungen getroffen werden. Wie offen Konflikte angesprochen werden. Wie klar kommuniziert wird, wenn etwas nicht passt.
Ich durfte in meinem Berufsleben schon sehr unterschiedliche Arbeitswelten kennenlernen: das kleine Startup mit seinem Optimismus und einer Offenheit, die oft naiv wirkte, aber meistens einfach gut war. Den Mittelständler mit konservativen Strukturen, in denen Vertrauen eher als Risiko galt. Und jetzt das hier.
Zukunftsoptimismus als Haltung.
Ich beschäftige mich beruflich mit der Arbeitswelt von morgen. Mit der Frage, wie faire, solidarische und zukunftsfähige Arbeit aussehen kann. Meiner Meinung nach da, wo Menschen sich wohlfühlen, ihre Stärken einbringen und wirklich auf Augenhöhe zusammenarbeiten und mutig werden. Das ist kein Lippenbekenntnis in einem LinkedIn-Profil. Das ist eine Haltung, die ich mir täglich ein bisschen neu erarbeite.
Privat tue ich das übrigens auch, als Teil des MUDDI Markt e.V., einem gemeinnützigen Kulturverein aus Kiel, der sich seit 2013 für eine sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Kulturlandschaft einsetzt. Jedes Jahr zur KiWo entsteht ein Wohnzimmer mit Musik-, Kultur- und Erlebnisareal → komplett ehrenamtlich organisiert, mit fairer Gastro, Workshops, Musik und richtig guter Laune. Kein Kommerz. Echte Gemeinschaft. Irgendwie ein schönes Paralleluniversum zur Frage, wie Arbeit auch sein könnte. Dass sich meine eigene Arbeit und das Ehrenamt in die gleiche Richtung entwickeln, das ist ein Privileg. Eines, das ich sehr zu schätzen weiß.